Donnerstag, 30. März 2017

Es ist so absurd ...


Am Sonntag, dem 30. März 2003 haben wir früh morgens 
diesen Zettel überall in der Nachbarschaft verteilt:


Und nach 19 Stunden voller Sorgen konnten wir spät abends 
unsere kleine abenteuerlustige Maus endlich zurück bekommen. 





Doch genau 14 Jahre später haben wir sie an diesem Tag
für immer verloren



Dabei zogen wir nur wegen ihr am 29.3.2003 ganz spontan um. 
Denn unsere kleine Graukatze hatte an diesem sonnigen Frühlings-
Samstag nachmittags im Garten Ausgang, sprang über den Zaun 
an der Ostgrenze und war dann verschwunden. So verschwunden, 
dass Wolfgang abends unser Bettzeug und ein paar andere Dinge 
aus unserer Stadtwohnung holte, so dass wir auch nachts die Tür 
zum Garten auflassen konnten und zusammen mit Allegra auf 
die Rückkehr der kleinen Maus hofften …

Als Wolfgang am Sonntagabend gegen 23 Uhr unsere kleine 
unternehmungslustige Maus endlich nach Hause tragen konnte
waren alle total erschöpft. So entschieden wir uns auch noch 
diese Nacht, im kühlen Haus zu verbringen. Und am nächsten 
Morgen, als beim Aufwachen, unser Blick in den Garten fiel, 
hatte für uns die Sommerzeit begonnen. Wir holten in den 
nächsten Tagen noch einige Dinge von der Wohnung ins Haus 
und verbrachten den ganzen Sommer dort. 

Als es zum Herbst jedoch wieder kälter und unangenehmer 
im feucht-kalten Haus wurde, und es allmählich Zeit war 
wieder in die kleine, aber besser beheizbare Stadtwohnung 
zu ziehen, wurde uns bald darauf klar, dass eine kleine Maus 
auch in der kalten Jahreszeit auf keinen Fall auf die täglichen
Gartenspaziergänge verzichten wollte. Und Wolfgang hätte 
abends - nach einem anstrengenden Arbeitstag, wahrscheinlich 
 auch wieder so manches Mal vor der falschen Haustür gestanden. 
So blieben wir seitdem in Haus & Garten und wohnen nun noch 
immer hier - und eigentlich nur wegen der Maus. Allerdings 
ist es im Winter bei Minusgraden schon manchmal etwas 
unangenehm vom warmen Wohn-/Schlafzimmer durch das 
frostige Treppenhaus ins wärmere Bad zu gehen. Aber dafür
sehen wir hier morgens im Bett Eichhörnchen- & Vogel-TV!


Nachtrag Montag, 3. April 2017:
Diesen Text über unseren spontanen Umzug wegen der Maus 
hatte ich irgendwann im letzten Frühjahr mal für unseren 
Wildwuchs-Blog vorgeschrieben und wollte ihn dort eigentlich 
am 30. März 2017 posten. Und nun ist alles ganz anders 

Allerdings muss ich zugeben, dass ich die Maus, die ich hier 
im Post irgendwann im Sommer 2002 im Arm gehalten habe, 
nicht so vermisse. Das waren wundervolle Zeiten mit zwei 
sehr verspielten Katzenkindern, die wir in 4 dicken Fotoalben 
ausführlich festgehalten haben. Das Betrachten dieser Bilder
 ist einfach nur eine schöne Erinnerung an unheimlich viele 
erlebnisreiche Tage in Haus & Garten. 

Was mir/uns jetzt fehlt, die die eigenwillige Charaktermaus, 
die früh morgens nach dem ersten Gartenspaziergang zum Beispiel 
in mausetypischer Art ihre Kuscheleinheiten einforderte: Sie lief 
daher um das Betthaupt herum, sprang mit ihrem markanten Ton 
links auf die Bettkante, gab dem Laptop zunächst Köpfchen, 
schmiegte sich an, ließ sich oft die kalten Öhrchen warm kneten
warf sich mir vorzugsweise in den rechten Arm und behinderte 
mich noch einige Zeit beim Posten, bis sie sich neben mir auf 
ihre Kuscheldecke unter die wärmende 75 Watt Glühlampe 
knallte und selig den Morgen verschlief


Kommentare:

Doro hat gesagt…

Oh,das wusste ich in dem Aussmass gar nicht,dass die Maus Euch umgezogen hat....wie Du beschreibst- einfach ein dickes Charakter- Köpfle,das hatte sie ,die Maus....
...und um auf Deine Frage zu antworten,bei Sookie sehe ich beides...das Alter aber auch Bequemlichkeit liebend.....Grüße von Doro

Sara Mary von Buelsdorf hat gesagt…

Das ist schon seltsam, am gleichen Tag ... und so war das also .... mit der Maus und dem Haus ....

SchneiderHein hat gesagt…

@ Doro
'Uns umgzogen …' Was für ein herrlicher Begriff ;-) Aber sie hat uns halt um die Pfote gewickelt. Und ich gebe ihr ja recht, dass ein täglicher 'Knastgang' auf dem Hinterhof und sicherheitshalber auch noch an der Leine nicht ihr Leben gewesen wäre. Ich bin froh, dass wir ihr diesen Wunsch erfüllen konnten. Nur ohne sie ist der Garten und unser Leben jetzt verdammt leer. War das schön, wenn die Maus fast jeden Morgen am Ende des Stegs saß und von dort den morgen begrüßte …

Allegra hat seitdem fast keine Pfote mehr vor die Tür gesetzt. Und als wir am Samstag Fotos auf dem Südhof machten, mußte ich sie sogar auf den Hof tragen, damit sie uns draußen etwas Gesellschaft leistete. Sie lebt leider fast nur noch in der Kleiderkammer auf ihrem Plüschkissen.

@ Sara
Tja, schon komisch. Ich hatte den vorbereiteten Post total vergessen, aber nachdem wir die Maus im Garten begraben hatten, stieß ich plötzlich auf Wildwuchs auf diesen Entwurf ...

Sara Mary von Buelsdorf hat gesagt…

In Blogs läßt sich das auch alles gut festhalten. Es gibt doch seltsame Zufälle .... oder vielleicht auch keine Zufälle?

SchneiderHein hat gesagt…

@ Sara
Jedenfalls hätte ich den Text gern noch in einer anderen Laune und auf Wildwuchs gepostet. Noch lieber natürlich sogar aufs nächste Jahr verschoben, wie ich das mit so manchem Thema aus Zeitgründen immer mal wieder mache. Aber das kommt ja nicht selten vor, dass es ganz anders kommt. Im vergangenen Sommer/Herbst war ich mir ziemlich sicher, dass uns Allegra irgendwann bald Kummer machen würde. Schließlich arrangieren wir uns nun schon fast 6 Jahre mit ihrer Diabetes. Aber bei der Maus gab es wohl ein lebensgefährlicheres Gesundheitsproblem. Die Winterdurchfälle hatte sie ja auch schon früher. Und für das Zittern & Zucken der letzten Jahre gab es auch keine Diagnose. Doch, was hätte es genützt, wenn wir sie vor einigen Jahren durch einen Untersuchungsmarathon am Besten in einer Tierklinik gejagt hätten und dann eine OP die 'Lösung' gewesen wäre - daran wäre ihr eigenwilliges und freiheitsliebendes Seelchen wahrscheinlich nur viel früher zerbrochen ...

Doro hat gesagt…

Ich bin überzeugt davon,dass Katzen keine OP und auch ( fast) keinen Tierarzt bräuchten....Sie wissen was sie wollen ,ziehen sich zurück,oder suchen Nähe,wenn sie nahende Veränderung spüren...bei unserer Maus,war das ja auch so,dass sie nur noch dicht bei uns geschlafen hat,ca.1/2 Jahr lang und wir wussten nicht ,dass sie Krank ist,sondern schoben alles auf den Umzug...als sie dann umkippte im Katzenklo,war natürlich unsere erste Idee auch der Tierarzt...aber im Nachhinein hätten wir sie einfach in Ruhe lassen sollen...und bei uns sterben lassen sollen.....sie wäre dann halt erstickt- ich weiß nicht ob ich das so gut begleiten hätte können!.? So ist sie leider beim Tierarzt und mit Spritze gestorben....auch nach 4 Jäher bin ich damit gedanklich noch nicht durch- habe aber auch immer den Hoffnungsgedanken,dass es schon immer so kommt,wie es gut und richtig für einen ist....
Ihr habt das bei Eurer Maus alles richtig gemacht und Allegra zeigt was sie brauch und sie ist einfach auch ein anderer Charakter,glaube ich....Liebe Grüße! Doro

SchneiderHein hat gesagt…

@ Doro
Gut, dass Du das über Deine Maus jetzt mal schreibst. Auf Deinem blog war sie irgendwann ja nur plötzlich tot. Und das mit der Erstickungsgefahr hatte ich irgendwo dann aufgeschnappt - oder Du hattest es im Post geschrieben …

Ich hatte als Kind so ein traumatisches Erlebnis mit einer recht brutalen Tierärztin: Mein Zwergkaninchen war im Gartengehege umgekippt. Und da noch dazu die Nase verrotzt war, und die Augen tränten sollte es zum Tierarzt. Natürlich hätte ich Augen und Nase säubern können, aber ich fand es sinnvoller den Zustand vorzuführen. Nur bei der Tierärztin hieß es gleich, dass das in dem Zustand keinen Sinn mehr macht. Erst nachdem sie es zum 'Einschläfern' an sich nahm und in einen anderen Raum brachte - ging ja so schneller und ohne Heulstress, sagte sie 'Es wäre viel Arbeit gewesen das Tier wieder gesundzupflegen.'

Komisch, Hamstern, Welensittichen und Co haben wir es nie angemerkt wenn sie krank oder alt waren. Die waren irgendwann morgens dann 'einfach' tot. Es macht eben viel aus, wie nah man mit einem Tier zusammenlebt und wie viel Zeit man hat solche Veränderungen auch zu bemerken. Katzen sind normalerweise gute Vertuschungskünstler. Wahrscheinlich war unser Vorteil, dass ich fast immer zu Hause bin und bei Allegra schon viel an ihrer gesundheitlichen Entwicklung nur durch Beobachtung korrigieren konnte. Inzwischen fragt mich unser Tierart auch häufiger was ich vermute. Auslöser für Symptome können so vielfältig sein.
Schade war nur, als bei Maus die chronische Darmentzündung und /oder Tumor durch das Ausschlußverfahren feststand, dass er ihr nicht mit Medikamenten helfen konnte. Er hätte einen bunten Strauß an Möglichkeiten zur Verfügung gehabt, aber fast jede Behandlung verweigerte sie. Gut war es, dass er auch der Meinung war, dass jede Therapie ohne ihre Mitarbeit keinen Sinn macht. Und so bestätigte er mich am dem Samstag beim Telefonat dann auch, dass es sinnvoll wäre die Therapie nun abzubrechen. Aber wir haben uns diesen Tierarzt ja auch über 15 1/2 Jahre hart erarbeitet. Daher bin ich jetzt mehr denn je gegen neue schicke Tierarzt-Praxen mit PC-Patienten und wechselnden Ärzten ...
Ich vermute, dass viele Tierhalter so einen Rückzug eines sterbenden Wesens dann oftmals falsch interpretieren. Denn eigentlich möchten sich die Tiere dann nur noch der Therapie entziehen.
Es hat ja einige Zeit gedauert, bis wir Maus das klarmachen konnten, dass sie diesbezüglich nichts mehr von uns zu befürchten hatte. Die Tage wo sie vor der Küche auf der Treppe lebte, die fehlen mir jetzt wirklich. Aber andererseits hätte sie ohne die 2 letzten Spritztermine vielleicht auch schon viel früher die Nahrungsaufnahme eingestellt und wäre dann irgendwo in einer dunklen Zimmerecke im feucht-kalten Frühjahr gestorben. So hatte sie nochmals die Gelegenheit mit einigen Einschränkungen durch die Natur zu stromern.
Unserem ersten Kater war es ja wohl auch wichtig an seinem letzten Tag nochmals in Etappen sein Haus zu umrunden.
Von daher kann ich Deine Gefühle sehr gut verstehen …

Ich hatte heute früh auch leichte Schuldgefühle, da ich in der Nacht, als die Maus starb kurz zuvor am Schreibtisch saß, um endlich diese verdammten Rechnungen zu schreiben, die schon längst überfällig waren. Glücklicherweise war sie aber nicht allein, denn Wolfgang schlief neben ihr, als sie dieses eine Mal laut aufjaulte, und ich war dann auch sofort bei ihr - nur vielleicht schon zu spät …
Aber ich bin Heidi im Nachhinein dankbar, dass sie damals nach Lissis Tod geschrieben hat, dass sie zwischen Martin und ihr im Bett gestorben ist. Daran hatte ich mich glücklicherweise am Mittwochabend erinnert. So war es für uns alle das Beste.

So, dann habe ich mich zunächst mal wieder erfolgreich vorm traurigen nächsten Post gedrückt. Aber vielleicht raffe ich mich heute Abend auf ...

SchneiderHein hat gesagt…

@ Doro - Teil 2
Ja, Allegra ist anders. Und sie musste unter der Maus sicherlich auch viel zurückstecken - trat meist nur noch dann in Erscheinung wenn die Maus gerade mal unterwegs war und wurde dann oftmals so aus Prinzip verscheucht. Das konnten wir der Maus leider nie austreiben auch wenn ich sie deswegen häufiger anraunzte. Jedenfalls thronte sie eben mal wieder auf Wolfgang im Bett, aber wohl eher, da sie nun auf Futter hofft ;-)

Doro hat gesagt…

Das ist jetzt sicher auch, trotz allem, spannend, wie -und ob überhaupt- Allegra den" Freiraum" den Ihr alle nach Maus Abschied wahrnehmt, für sich nutzen wird/will....
Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Rückwärtspost von der Maus....dazu fäll mir der Spruch ein, dass das Leben vorwärts gelebt- und rückwärts verstanden wird....

SchneiderHein hat gesagt…

@ Doro
Maus & Allegra haben viel von dem profitiert, was ich im Nachhinein wegen den Erfahrungen mit Herrn Katze besser bzw. irgendwann verstanden habe. Ich denke mir auch, wenn die Zeit für neue Kätzchen irgendwann in den nächsten Jahren kommt, dann wird mir/uns das was ich hier hoffentlich bald schreibe und zeige auch dabei helfen können einiges noch anders zu machen. Denn eigentlich war das Zusammenleben mit den beiden grauen Damen nach Herrn Katzes Tod wesentlich intensiver und auch gelassener. Katzen wissen halt ganz gut, was für sie das Beste ist ...