Donnerstag, 1. Dezember 2016

Handauflegen ...



Jetzt fühlt sich die kleine Mausewelt schon wieder 
etwas besser an. Zumindest genießt sie nun wieder 
die Hand, in die sie vor ca. 45 Minuten kraftvoll 
gebissen hatte ...

Seit einiger Zeit sah es im Katzenklo nicht mehr so gut aus. 
Die letzte Wurmkur lag in weiter Ferne, obwohl die Tabletten 
dafür seit ewigen Zeiten bereitliegen. Maus roch bisweilen 
etwas anders aus dem Mäulchen, lag fast nur noch unter ihrer 
wärmenden Leuchte im Bett, und wenn sie aufstand war sie 
unruhig oder sogar verängstigt. Schließlich hätte ja jederzeit 
ein Cäsar durch den Garten schlendern, zur Tür hereinschauen
 oder gar die Futterbar inspizieren können. Eine Maus befindet
 sich also fast im Dauerstress von dem eigentlich nur nach 
Aufmerksamkeit suchenden Kater. Und seit gestern fühlt sie 
sich sogar gestört, wenn ich mich in ihrer Nähe aufhalte, 
während sie das Katzenklo besuchen will.

Heute früh präsentierte sich freiliegender breitflächiger 
Durchfall im Katzenklo. Zum Glück fiel mir rechtzeitig 
vor dem Säubern der Streukiste ein, dass eine solche, 
nicht durch Streu verunreinigte Kotprobe vielleicht für 
eine Diagnose aussagefähig wäre. Daher verfrachtete ich 
sie in eine Plastikbox und wollte sie gleich morgens zum 
Tierarzt bringen. Doch dann war ich verunsichert: Eine Maus, 
die ihre Hinterlassenschaft nicht verbuddelt? Das ist doch 
eigentlich Allegras Marotte. Hat Madame jetzt mal wieder 
Durchfall? Also wollte ich lieber noch abwarten zum wem 
diese Probe nun gehörte. Natürlich besuchte Allegra erst 
kurz nach 12 Uhr - als der Tierarzt seine Praxis bereits 
geschlossen hatte, ihr Katzenklo. Alles bei ihr in Ordnung - 
perfekter konnte es für eine Diabetikerin nicht sein. Also 
hatte unsere kleine Maus nun wieder ein ziemlich massives 
Verdauungsproblem. Die Kotprobe sollte daher um 17 Uhr 
zum Tierarzt, und ein Medikament bzw. Stullmisan 
wollte ich dann gleich für die Maus mitnehmen.

Doch als ich gegen 16:30 Uhr in den Keller kam, sah ich 
schon an der Wand über dem Katzenklo, dass eine Maus 
nun ganz dringend einen Tierarzt-Termin benötigte: 
sich ihr Verdauungstrakt wohl nie wieder richtig erholt.

Damit ich nicht allein mit einer quengelnden und 
ganz tief gurgelnden Maus zum Tierarzt fahren musste, 
ließ ich mir einen Termin für 18:30 Uhr geben. So 
konnte Wolfgang uns fahren, und die Maus war an
diesem Abend der letzte Patient. 

Der Zahnstein hatte sich seit dem letzten Besuch 
erheblich vermehrt, aber das Zahnfleisch sieht trotzdem 
noch nicht besorgniserregend aus. Doch irgendwann steht 
da wohl auch bei ihr mal die Zahnsteinentfernung unter 
Sedierung an. Und als unser Tierarzt mich fragte, ob ich 
eine Idee hätte, warum es ihr nun schlecht geht, äußerte 
ich meinen Verdacht über verunreinigtes Wasser im Garten. 
Denn sowohl Herr Katze, als auch Maus hatten Probleme, 
als nach einigen frostigen Tagen das Eis taute, und sie 
wieder genüßlich Wasser im Garten schlabbern konnten. 
Laut unserem Tierarzt müsste das Immunsystem von Katzen 
diese Fäulnisbakterien problemlos bekämpfen können. 
Nur Herr Katze litt mit seinen 15 1/2 Jahren nach einem 
langen kalten Winter wohl immer mehr unter der bisweilen 
sehr angespannten Pflegesituation meiner Großmutter. 
Und unsere Maus kann sich mit den Hausbesuchen von 
Nachbarskater Cäsar leider so gar nicht arrangieren. Meist 
ist sie nach dem Erscheinen des Katers so aggressiv, dass 
sie Allegra grundlos angreift. Und diese extreme innere 
Anspannung kann sich dann wohl tatsächlich in einem 
Ruhe-Tremor äußern. Aber wir waren uns einig, dass 
mein instinktives Handauflegen in diesem Fall wohl 
die beste Medizin für die kleine Zittermaus ist. Zumal 
eine kleine Graukatze dann ganz bewußt unsere Nähe 
sucht, wenn einige Sekunden oder gar minutenlang 
die Augen zucken oder ganze Körper bebt.

Nach eingehender Untersuchung führte leider mal wieder 
kein Weg am Antibiotikum vorbei. Diese Spritze war kein 
Problem. Die gespritzte Wurmkur ebenfalls nicht. Aber 
als danach auch noch das Vitamin B12 kam, erschrak die 
arme Maus so sehr, dass sie mich ganz unvermittelt 
in den linken Daumen biss, und mein Blut hervorquoll. 
Während ich dann also meine Wundversorgung erhielt, 
hörte ich unter der hastig übergeworfenen Kuscheldecke 
eine wimmernde Maus, die nun den 2. Versuch einer B12-
Spritze erdulden musste. Danach husch ins Körbchen 
und ab nach Hause.

Nein, raus in den Garten wollte die Maus jetzt nicht. 
Aber nach dem Kuschelplatz auf dem Bett stand ihr 
auch noch nicht der Sinn. So saß sie einige Zeit etwas 
muckelig-verstört im Gartenfenster und ließ sich dort 
etwas frisches Hühnerfleisch servieren.

Doch schon bald darauf kam sie ins Bett, und ich durfte 
ihr den kranken Bauch kraulen.

Foto: W.Hein


Nachtrag Freitag, 2. Dezember 2016:
Heute früh hatte der Kot schon wieder etwas mehr Form 
angenommen. Und am Nachmittag erhielt ich telefonisch
die Information, dass weder Würmer noch andere Auffällig-
keiten in der Durchfallprobe festzustellen waren. Also 
bekommt die kranke Maus nun einige Zeit Stullmisan ins 
Feuchtfutter, und hoffentlich normalisiert sich dann bald 
wieder der kleine Mausebauch ...


Nachtrag Mittwoch, 15. Februar 2017:
Inzwischen genießt die kranke Maus in der Mittagszeit 
die wärmende Frühlingssonne auf dem geschichteten Totholz 
vor der Hausfassade auf dem Südhof. Doch ohne die inzwischen 
2x pro Woche notwendigen Tierarztbesuche wäre das wohl 
nicht mehr möglich. 

Denn seit dem 2. Weihnachtstag, als ich nach ihrem Besuch 
im Katzenklo Blut auf dem nicht verscharrten Durchfall-Kot 
entdeckte, hat sich ihr Zustand eigentlich nicht mehr gebessert. 
Zeitweilig konnten wir ihr noch Mittel gegen Durchfall ins 
Feuchtfutter mischen. Aber inzwischen ist sie so mißtrauisch 
und bisweilen auch appetitlos geworden, dass wir froh sind, 
wenn sie das angebotene Futter überhaupt noch frisst.

Und die Versuche ihr hilfreiche Medikamente mittels einer 
kleinen Spritze direkt ins Mäulchen zu geben, führten recht 
schnell zu einer kleinen Maus im Versteck. Aus Angst vor der 
nächsten Medikamenteneingabe verzog sie sich rechtzeitig 
in die Kochbuch-Abteilung im Schrank, verkroch sich an 
eine unerreichbare Stelle unter dem Bett oder war zu dem 
Zeitpunkt einfach unauffindbar.

Und ebenso tückisch ist es nun sie überhaupt rechtzeitig 
zum vereinbarten Termin zum Tierarzt zu bekommen. Denn 
auch wenn wir den Zeitpunkt des Tierarztbesuches nun häufig 
variieren, so ahnt sie bereits im Vorfeld allein schon durch 
unsere Handlungen, dass sie wieder in die Transportbox muss. 
Einen Termin mussten wir deswegen bereits verschieben, und 
bei den letzten beiden Tierarztbesuchen behielt ich wegen 
ihr sogar meine Hausklamotten zum kurzen 'Boxenstopp' an.
Es ist also fraglich, wie oft wir sie noch überlisten können, 
damit sie ihr inzwischen lebensnotwendiges Antibiotikum 
und die entkrampfende Injektion bekommt. 

Zwischenzeitlich hatten wir versucht den Spritztermin etwas
weiter hinauszuzögern, denn irgendwann wird das Amoxicillin-
Antibiotikum seine Wirkung verlieren, und jede weitere 
Injektion belastet den ohnehin schon geschwächten Körper.
Doch das Ergebnis war nach 4 Tagen erschreckend: Im Katzenklo 
sah es noch dramatischer aus, und sie wollte beim Klobesuch 
nicht mehr beobachtet werden. Auch wurde sie zunehmend 
appetitloser - obwohl sie Hunger hatte. Und man sah ihr an, 
dass die wenige Nahrung ihrem Verdauungstrakt Schmerzen 
bereitete. Außerdem bekam sie Fieber und zog sich wohl 
deswegen an kühle Orte zurück.

Giardien konnten wir durch eine 3-tägige Kotprobe im Januar 
als Durchfallauslöser ausschließen. Und der Bluttest brachte 
das Ergebnis FIB, FIV und Leukose negativ. Doch inzwischen 
wird sie leicht anämisch 

Anfang Januar waren wir noch fest davon überzeugt, dass 
eine Röntgenuntersuchung oder Ultraschall zur Abklärung 
der Ursache sinnvoll wäre. Doch inzwischen haben wir wegen 
dem damit verbundenen Stress, der notwendigen Sedierung 
bzw. der erforderlichen Bauchrasur davon Abstand genommen. 
Eine OP kommt für die kleine geschwächte, 15 Jahre alte, 
extrem dickköpfige und vor allem so freiheitsliebende Katze 
ohnehin nicht mehr in Frage. Und da unser Tierarzt schon 
seit einiger Zeit 'kleine knotige Erhebungen wie an einer 
Perlenschnur aufgereiht' im Bauchraum ertasten kann - 
wahrscheinlich geschwollene Lymphknotenist ein Tumor 
nicht auszuschließen. Aber anscheinend ist der Bauchraum 
 nicht sonderlich schmerzhaft, denn diese Untersuchung
 lässt sie bis jetzt noch klaglos über sich ergehen. Und 
gerade im Moment liegt sie wieder unter ihrer wärmenden
75 Watt-Glühlampe im Bett neben mir, und ich darf ihr 
den gluckernden Mausebauch halten