Samstag, 13. August 2011

In diesem Körbchen ...



... kam an einem Samstag vor 17 Jahren dieser kleine Kater
in unser Leben. Er hat viel verändert und auch dazu beigetragen,
dass wir nun schon über 9 Jahre glücklich mit unseren beiden
grauen Damen zusammenleben.

Ich bin mir sicher, dass dieser eigenwillige Herr das Leben
meiner Großmutter bereichert hat und ihrem Leben oftmals sogar
einen Sinn geben konnte. Denn ihrem Hausarzt erzählte sie mal
vor vielen Jahren: 'Ich muss ja noch weiterleben, denn sonst ist
der Kater alleine!' Meine Mutter, die damals die Kater-Versorgung
schon überwiegend übernommen hatte, saß in dem Moment
daneben! Aber schon allein den Türöffner für ihren Kater zu spielen,
war ein guter Grund, um mehrmals am Tag die steifen Glieder
zu bewegen. Als meine Großmutter nicht mehr unbeaufsichtigt im
Haus bleiben konnte und später pflegebedürftig wurde, war es ihr
aber noch lange Zeit wichtig zu wissen, was der Kater macht. Und
selbst als sie schon lange in ihrer Kinderzeit angekommen war,
kam selten, aber ab und an doch noch die Frage, wo denn
der Kater gerade sei.

Dabei haben wir ihr den kleinen Kater untergeschoben. Denn
obwohl wir extra in Anzeigen nach grauen Katzen suchten, haben
wir ihr erzählt, dass wir ihn davor retten mussten, von einem
Auto auf belebten Straßen rund um einen ostfriesischen Bauerhof
überfahren zu werden. Ich bin mir sicher, dass es richtig war ihr
dieses 'Bärchen' aufzubinden. Auch wenn wir eine größere Lügen-
geschicht um ihn spinnen mussten und erst Jahre später meiner
Mutter die Wahrheit erzählten:

Klein Katze war nämlich als geimpfter fast 11 Wochen alter Kater,
im Heißen Draht für 200,- DM inseriert, und als Silbertabby be-
schrieben. Was ein Silbertabby sein sollte? Beim Telefonat hieß
es, wir sollten einfach vorbeikommen und ihn anschauen, er
hätte ja so eine Art graues Fell. Also gegen Mittag auf nach
Winsen an der Aller zum Katergucken. Dort war Wolfgang dem
kleinen geringelten Katerschwanz, den man hinter dem Sofa im
Wohnzimmer ab und an erahnen konnte, sofort erlegen. Ich war
zögerlich, aber nach dem Motto jetzt oder nie, wurde schnell
noch dieses weiße Körbchen und eine Katzenkinder-Erstaus-
stattung in Celle besorgt und dann zurück zum kleinen Kater.
Dort wurde der Kaufpreis bezahlt, der Impfpass mit dem
Namen 'Bärchen' übergeben und bald darauf das winzige
Etwas gepackt, ins Körbchen verfrachtet, und wir wurden
schnell verabschiedet.

Bei Maus & Allegra verlief das alles ganz anders: Mit Vor-
besichtigung und entsprechender Vorbereitungszeit für das
neue Zuhause der Katzenkinder. Aber vielleicht fiel es seiner
damaligen Besitzerin auch einfach nur schwer Abschied zu
nehmen. Denn nachdem sie einige Wochen später einen
Schwung Fotos von uns bekam, fragte sie telefonisch nach
wie es ihm ginge und ob er sich eingelebt hatte. Irgendwann
war sie dann allerdings unbekannt verzogen.

Tja, und wir hatten damals in Winsen nun ein wimmerndes
Katertier im Auto, das im Körbchen auf meinem Schoß saß.
Und eigentlich sollten wir schon bald bei meiner Großmutter
in Braunschweig eintreffen, um sie über das Wochenende
'einzuhüten'. Meine Mutter war damals gerade ein paar Tage
verreist und wurde vor vollendete schnurrende Tatsachen
gestellt. Aber ein
Zwischenstopp in unserer Wohnung in
Hannover
war zum Packen für das Wochenende notwendig.

Bei meiner Großmutter angekommen, die sich genau wie
meine Mutter immer wieder gegen eine neue Katze im Haus
ausgesprochen hatte, war der 'Tieger' sofort ein 'Bibi'.
So hieß nämlich
der kleine Kater, der vor inzwischen
41 Jahren irgendwann im August ins Haus kam
. Damals
setzte sich das kleine Mädchen auf dem Foto in den Kopf,
dass dieser winzige wohl nur 6 Wochen alte Kater, den sie
schon den ganzen Tag auf einem
Gutshof in Heyersum in
der Nähe von Hildesheim
, mit sich umhertrug, abends
unbedingt mit musste. Mein Großvater war strikt dagegen.
Doch schon bald waren er und Kater Bibi eine Liebe
fürs Leben. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Und genauso, wie meine Großmutter nach der Testphase
den kleinen grauen Bibi nicht wieder hergeben wollte,
erging es bald auch meiner Mutter sehr ähnlich. Als sie nach
2 Wochen aus dem Urlaub kam, da saß Wolfgang nämlich
im Wohnzimmer mit lang ausgestreckten Beinen und darauf
ein gaaanz langer kleiner müder Miesekater. Leider habe ich
davon kein Foto, aber dafür entstand
dieses Bild ....

Seitdem sind noch viele Fotos dazu gekommen, die fast alle
in
diesem und diesem Fotoalbum bis 2004 einen Platz gefunden
haben. Im Laufe der Jahre wurde es allerdings immer schwieriger
für mich ihn zu fotografieren, da ich die Böse war, die ihn ab
und an zum Tierarzt bringen musste. Also brauchte nur mein Auto
in die Einfahrt zu fahren, und ich sah nur noch etwas Graues
davonhuschen. War ich jedoch gerade auf dem Weg nach Hause,
erschien Herr Katze wieder auf der Bildfläche. Nur wenn es Roast-
beef oder Lachs gab, traute er sich trotzdem auch mal an mich
heran. Doch
diese Fotos konnte Wolfgang zum Beispiel nur aus
sehr sicherer Entfernung von ihm machen. Aber er hatte ja
seine zwei Bezugspersonen im Haus!

Ab Herbst 2008, als meine Großmutter dauerhaft bettlägerig
wurde, war es dann jedoch nur noch eine Person - meine Mutter,
die sich um Herrn Katze kümmerte. Im Winter 2009/2010 wurde
er immer sonderbarer, zog sich oft zurück und verbrachte viele
Wintertage allein in meinem recht kühlen ehemaligen Kinder-

zimmer oder im Keller. Zwischendurch biss er dann meine Mutter
auch mal ganz unvermittelt in die Hand, und Ende März 2010
begann sein Leidensweg. Wahrscheinlich, weil die Tierärzte
nur die Symptome seiner heftigen Maulentzündung mit Anti-
biotika und Cortison behandelten, anstatt sich auf die Suche
nach der Ursache zu begeben. Was dann geschah, habe ich zum
größten Teil hier auf dem Blog gepostet. Ein paar Beiträge
fehlen jedoch noch, die ich irgendwann vielleicht einmal
einfügen werde. Zumal der 21. August 2010 fehlt. Der Tag, an
dem ich über sein sofortiges Lebensende entscheiden sollte,
mich aber für sein Weiterleben entschieden habe. Der Tag,
der Dank der sofortigen moralischen Unterstützung
der
mobilen Tierheilpraktikerin
für mich eine in vielfacher
Hinsicht entscheidende Wendung in meinem Leben, meiner
Einstellung zum Leben und zum Umgang mit Medikamenten
für Mensch & Tier bedeutete.

Nun mag der ein oder andere denken 'Und der arme kranke Kater
musste das ausbaden und darunter leiden!' Aber er hatte fast
jederzeit die Möglichkeit sich unserer Nähe und Fürsorge zu
entziehen. Doch je schlechter es ihm ging, um so mehr forderte
er Hilfe ein und bekam sie selbstverständlich von uns. Diese sehr
pflegeintensive Zeit war voller Zweifel und Unsicherheit, aber
hatte auch viel mit Nähe zu tun. Sicherlich hatte er zeitweilig
gelitten und so manches Mal, wenn er sich in seine Beete verzog
oder eine kleine Gartenrunde drehte, waren wir uns sicher,
dass er sich nun zum Sterben zurückziehen würde. Aber irgend-
etwas hinderte ihn anscheinend sein kleines Erdendasein auf-
geben zu wollen. Die Tierheilpraktikerin hatte damals im August
vermutet, dass, wenn die Lichtinsentität im Herbst abnimmt, und
es allmählich im Garten kälter wird, dass er dann vielleicht bereit
wäre. Was dann endlich am 10. November 2010 auch geschah.
Vielleicht hätte ich ihm den letzten Weg erleichtern können,
aber mir schien, er hätte sich dagegen gewehrt. Es wäre bei
ihm wahrscheinlich nicht die Sterbehilfe gewesen, die man
eigentlich mit dem Begriff verbindet ...

Allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass es dann
auch eine notwendige Konsequenz ist, sehr viel Zeit und
innere Ruhe für das pflegebedürftige Tier aufzubringen.
Man kann es eben nicht mehr längere Zeit sich selbst über-
lassen, wie es im Idealfall bei einer selbstbewußten Katze
der Fall ist, die einfach kommt, wann es ihr passt und
einfordert was sie braucht.


Kommentare:

kleine-creative-Welt hat gesagt…

Hallo liebe Silke,
ein schöner Post... der nachdenklich macht... der ein Lächeln aufs Gesicht bringt.... der auch ein wenig traurig macht.
Ich habe die ganze Geschichte verfolgt - wissbegierig - alle Links angesehen... uiiii du hast schon 1970 gepostet??? Da gab es das schon?
Weißt du, im Leben spielen so viele Dinge ein Rolle - so viele Erfahrungen sammelt man und dabei ist es nur natürlich, dass niemand alles "richtig" machen kann - niemand von uns kommt so gescheit zur Welt und mit dem Erfahrungsschatz einer 80jährigen Person versehen...
ich habe ja den Weg von klein Katze verfolgt, als es zu Ende ging - und ich weiß, dass du alles getan hast, um es leicht (wenn man in diesem Zusammenhang so reden kann) zu machen - ich weiß, wie du gelitten hast, wie du gezweifelt hast und dich letztendlich entschieden, genau diesen Weg zu gehen - immer wieder müssen wir Entscheidungen treffen - ob es besser gibt weiß man zu diesem Zeitpunkt nicht - allein die Sorgfalt, die Mühe - all das kann nur richtig gewesen sein.
ich muss dich mal drücken - ich freue mich im übrigen sehr, von dir zu hören -
hab ein schönes entspanntes Wochenende - lg. Ruth

Brigitte hat gesagt…

Ruth hat eben schon alles geschrieben und so sage ich jetzt einfach mal nur: Ich habe diesen post sehr aufmerksam und auch sehr gerne gelesen. Das ist eine jener Geschichten (die ja wahr ist), die man beginnt zu lesen, und man liest sie unbedingt zu Ende.

Ich würde jetzt einfach mal nur sagen, das ist sehr schön, sehr bewegend und ansprechend und auch sehr ehrlich geschrieben.

Euch Beiden einen schönen Samstagabend und einen schönen Sonntag, Brigitte

Christina hat gesagt…

Das sind sehr bewegende Erinnerungen - am Ende von klein Katzes Lebensgeschichte hatte ich hier ja teilhaben dürfen und es waren auch aus der Entfernung sehr intensive Monate. Für mich ist es ein großer Schatz, dass ich - wenn es hier bei uns mal wieder soweit sein sollte - mich nicht nur auf meine Tierärzte verlassen muss sondern mich auch an deinen Erfahrungen orientieren kann, danke schön dafür, Silke.
Ich finde es schön, dass du uns nun auch den Anfang der Geschichte erzählst, wieviel Freude klein Katze in das Leben deiner Mutter und Großmutter gebracht hat. Und dass er auch für dein Leben Weichen gestellt hat... Kleiner Kater, große Wirkung! Er zaubert mir ebenfalls ein Lächeln ins Gesicht...

Liebe Grüße von Christina

Garten Paradies hat gesagt…

Hallo Silke, Danke für das Kommentar aber ich hoffe, immer noch das Oskar auftaucht! Mit einem Halsband hätte ich Angst, das er sich am nächsten Baum aufhängt. Henry unser anderer Kater und auch unsere Luzi mögen nichts um den Hals. Ausserdem geht es unseren Katzen so gut, das sich auch noch Fremde Tiger bei uns zweitweilig Einnisten. Wir haben eine "OFFENE KATZENPFORTE" und jeder kann sich selbst Bedienen. Was auch von Fremden Katzen immer gerne in Anspruch genommen wird.
Grüße Dagmar

SchneiderHein hat gesagt…

@ Ruth
Das Foto von 1970 ist aus meinem Kinderalbum abfotografiert und lässt sich problemlos im Blog als Post rückdatieren. Zwar haben wir es nicht von Anfang an so auf den Blogs gehandhabt, aber im Idealfall posten wir jetzt chronologisch. Daher beginnt der Katzenblog jetzt mit dem ersten Foto von Bibi - meinem ersten Kater.

Natürlich bin ich auch noch immer etwas traurig, dass nix graues mehr im Garten sitzt, aber seine Zeit war wirklich gekommen. Und leider profitieren nun nur Maus & Allegra und auch wir von den Erfahrungen aus dieser Zeit. Den größten Fehler - vielen verschiedenen Tierärzten in der ersten Praxis und ihren Therapievorschlägen nahezu blind zu vertrauen - konnte ich leider nicht rückgängig machen. Aber danach haben wir versucht so weit wie möglich die Bedürfnisse von Herrn Katze zu berücksichtigen. Und inzwischen habe ich kaum noch Zweifel, dass es so das Richtige für ihn war.

@ Brigitte
Ich hatte ja zeitweilig Zweifel, ob ich wirklich bis zu seinem Ende weiterschreiben sollte. Aber im Nachhinein bin ich doch froh, dass ich es getan habe. Sonst wäre wahrscheinlich nur die lange schwere Zeit in Erinnerung geblieben, die ihn von Ende März bis Anfang November immer mehr eingeschränkt hatte. Doch er konnte seinem kleinen Dasein in dieser Zeit wohl trotzdem noch einiges abgewinnen ...

@ Christiana
Ich hätte ihm natürlich gern ein leichteres Lebensende gewünscht. Aber er wollte wohl wirklich noch nicht aufgeben und jeden möglichen Gartentag ausnutzen. Ich bin immer noch froh, dass wir ihm das ermöglichen konnten ...
Im Vergleich dazu ging es bei unserem Kater Bibi doch schneller: Er ging noch am Nachmittag mitten im Winter in Etappen ums Haus, verschlief den restlichen Tag auf dem Sofa und am nächsten Morgen lag er im Keller.
Aber beide Kater waren wirklich besondere Persönlichkeiten, die viel Familienleben beeinflußt haben. Wobei Herr Katze davon profitieren konnte, dass er einen Vorgänger hatte - er war von Anfang an doch noch viel mehr Lebensgefährte ...

@ Dagmar
Gerade junge Kater können bisweilen sehr unternehmungslustig sein. Daher hoffe ich ja auch, dass Euer Oskar zu Euch zurückkehrt!
Früher hatten wir bei unseren Katern noch andere Halsbänder mit Schnallen, bei denen ich auch Bedenken hätte. Aber unsere Maus trägt ein Elastikband, das noch dazu einen Schnappverschluß besitzt. Es lässt sich leichter anlegen und abnehmen. Daher trägt sie ihr Halsband auch nur, wenn die Gartentür auf ist. Außerdem ist es so locker, dass gerade in jungen Jahren die kleine Katze ohne Halsband nach Hause kam. Und das Halsband später im Briefkasten lag oder von den Nachbarn der umliegenden Gärten bei der Gartenarbeit irgendwo entdeckt wurde. Sie hatte sicherheitshalber immer ein paar Wechselbänder!