Samstag, 27. August 1994

Kuschelkater



Leider gibt es kein Foto, wie Wolfgang auf dem Wohnzimmer-
Fußboden saß mit dem lang ausgestreckt schlafenden Tieger
zwischen seinen Beinen. Denn das war das Bild, das sich meiner
Mutter präsentierte, als sie nichtsahnend aus dem Urlaub kam.

Foto: W.Hein


Samstag, 13. August 1994

Kleiner Kater in einer neuen Welt ...


Da saß er nun im Wohnzimmer meiner Großmutter:

Ohne Mutter und Geschwister, plötzlich in ein vollkommen fremdes
Weidenkörbchen verfrachtet, dann die zwei ungewohnten Auto-
fahrten und noch dazu die ganz neue Umgebung. Und wir konnten
uns im Vorfeld ja auch nicht richtig kennenlernen. Auch wenn ich
ihn gleich im Auto aus seinem Körbchen holte, auf meinen Schoß
setzte und streichelte, so war sein kleines Katerleben innerhalb
weniger Stunden total verändert. Das brachte seinen Magen ver-
ständlicherweise ordentlich durcheinander, und er reagierte bald
darauf mit etwas Durchfall.

Aber durch Spielen war sein Herz bald zu gewinnen. Und während er
spielte und immer mehr von seiner neuen Welt erkundete, eroberte
er auch das Herz meiner Großmutter.

Ihr banden wir einen Bären auf - oder eher ein Bärchen, denn das
war der Name in seinem Impfpass: Da gab es eine wilde Story von
einem Freund dessen elterlicher Bauernhof in Ostfriesland an einer
sehr befahren Straße liegt, wo junge Katzen ganz oft überfahren
werden. Und da dieser Freund wußte, dass wir mit einem Kätzchen
überlegten, hatte er uns diesen Kater einfach mitgebracht. Zum
Glück hinterfragte meine Großmutter die Geschichte nicht weiter!

Eigentlich hatte ich damals vor ein älteres Tier für meine Großmutter
und Mutter als Ersatz für unseren Ende der 80er verstorbenen Kater
Bibi aus dem Tierheim zu holen. Da aber beide immer wieder sagten,
dass sie keine Katze mehr wollten, hätten wir notfalls das Tier dann
bei uns in der Wohnung aufgenommen. Leider kam ich unter den
ehrlich geschilderten Umständen damals noch nicht einmal in die
Nähe des Katzenhauses im braunschweiger Tierheim. Also war es
in diesem Fall nur möglich ein Jungtier zu besorgen, damit meine
Großmutter wieder etwas zum Betüddeln hatte.

Aber dieser kleine Kerl blieb nun die nächsten 2 Wochen vorerst
in unserer Nähe. Wolfgang kam sogar jeden Abend nach der Arbeit
extra aus Hannover nach Braunschweig, um mit dem kleinen Katertier
zu spielen. Tieger lernte in dieser Zeit sogar kleine Fellmäuse, die
die Kellertreppe hinuntergeworfen wurden zu apportieren. Und in
diesen 2 Wochen drehte sich alles nur noch um den Kater.

Selbstverständlich schlief der kleine Kerl vom ersten Tag an bei uns
im Bett. Kaum vorstellbar, dass Bibi damals, nachdem ich ihn den
ganzen Tag mit mir umhertrug, und er dann unbedingt am späten
Nachmittag mit nach Hause musste, abends um 8 Uhr einfach in den
Keller gesperrt wurde!

Bei Tieger war nun alles anders: Ein richtiges Katzenklo und keine
alte Holzkiste mit Zeitungspapier & Torf, neue Kuscheltücher statt
ausrangierter Wolldecken, reichlich Spielzeug und Katzenkinder-
futter. Als meine Mutter aus dem Urlaub kam, fand sie einen perfekt
ausgestatteten
kleinen Kuschelkater vor ...

Foto: SchneiderHein


Kurzer Zwischenstopp ...


... in unserer Wohnung:

Nun mussten wir noch für das Wochenende in Braunschweig packen.
Denn wir hatten nicht geahnt, dass 'vorbeikommen, um den kleinen
Kater mal anzuschauen' auch gleich ihn mitzunehmen bedeuten
würde. Im Nachhinein war es schon merkwürdig, dass er bereits
von seiner Mutter getrennt war, und wir die Katzenmutter auch
nicht zu sehen bekamen. Aber er war gesund, geimpft und grau!

Ganz vorsichtig untersuchte er nun unsere Wohnung.

Doch bald danach musste er dann nochmals ins Auto, um endlich
in seinem neuen Zuhause in Braunschweig anzukommen. Denn dort
sollte ich die nächsten 2 Wochen meine 87-jährige Großmutter
einhüten, während meine Mutter im Urlaub war. Der perfekte
Zeitpunkt, um meine Großmutter an
'unseren' kleinen Kater
zu gewöhnen ...

Fotos: SchneiderHein